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Donnerstag, 3. Dezember 2009

Wie bei Amazon...

3. Dezember 2009
...eine Rezension entsteht

Immer wieder, manchmal aber auch nur gelegentlich werde ich gefragt, ob ich denke, wenn ich für Amazon Rezensionen schreibe, als sei nicht jedem das Wort bekannt: „Ich denke, also bin ich…“ jemand, der Beiträge verfasst, die nichts mit dem Denken zu tun haben.


Zu tun haben sie - die Rezensionen - damit: Seit 1985 habe ich um die 30 Romane, Erzählungen und Sachbücher geschrieben, die ich des frühen Morgens zur Hand nehme. Da bislang niemand eines meiner Bücher gekauft hat, sind genügend davon vorhanden. Ebenso eine Schere, mit der ich aus meinen immer noch nicht beachteten Werken Buchstaben und Wörter herausschneide. Die kommen in eine Lostrommel. Dann schreite ich zur Ziehung und gebe das Resultat in ein Word-Dokument ein. Sogleich schlägt mir das Rechtschreibprogramm statt des Sinnlosen aus der Trommel Sinnvolles vor. Schnell wird beispielsweise aus ntrevaue Vertrauen und so weiter und so weiter

Sobald der Text fertig ist, schicke ich diesen an Amazon. Dort sucht man ein Buch heraus, das am besten zu meiner Rezension passt. Fertig ist die Veröffentlichung. Unverzüglich gelesen wird sie von allen, die mit der Frage schwanger gehen, ob ich beim Schreiben denke. Ich wiederhole: Das tue ich nicht.

Etwa zwei, drei Tage später lese ich meinen Text, gefällt mir meine eigene Rezension, kaufe ich das Buch dazu und vertiefe mich darin. Andere machen es umgekehrt. Dieser Text passt laut Amazon am besten zu dem Zippert-Buch. Deswegen steht er hier. Wie täglich dessen Wort- und Satzspiele, die auf ähnliche Weise entstehen, auf Seite 1 links oben in der „Welt“. Das ist eine Tageszeitung, die wiederum aus Wortschnipseln der „Süddeutschen“, der „Frankfurter Rundschau“ und - man lese und staune - der „taz“ hergestellt wird. Das auch noch alle 24 Stunden.

Fachleute nennen das Rotation - wie mir Amazon versichert hat, dass diese Rezension auch zu meinem Werk „Ein Buch Buntes“ passen könnte. Das sei ebenso sinnlos - und bringe so manchen ins Rotieren.

Dienstag, 24. November 2009

Gefährliches Internet

24. November 2009
Frank Schirrmacher hat Recht!

Das Internet schlägt aufs Gehirn, der Rest wird von der „Machtmaschine“ google so lange verarbeitet, bis niemand mehr weiß, was alle anderen wissen, die aber auch nicht wissen, was man über sie weiß. Behauptet Frank Schirrmacher in Talkshows. Dort ist der Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu Gast, weil er das Buch „Payback“ geschrieben hat. Sollen wir es ihm zurück zahlen und behaupten, dass hinter seiner Zeitung nicht immer ein kluger Kopf steckt?


Machen wir nicht. Denn: Der Mann hat Recht! Sonst würde er auch keine rechte Zeitung herausgeben, die Althergebrachtes für gut und Neues für gefährlich hält. Wie gefährlich das Internet sein kann, weiß ich aus eigener Erfahrung seit mein Neffe unter meinem Schreibtisch mit meinem Hund gespielt hat. Diese Balgerei endete erst, als dem Kleinen mein Rechner auf den Kopf gefallen war. Danach stand für mich fest: Das Internet schlägt aufs Gehirn.

Recht hatten übrigens vor Jahrhunderten auch jene Warner in der Medienwüste, die sich wegen der Gefährlichkeit des Buches Sorgen machten. Wer in einer Ecke sitze und lese - schrieben sie und auch damals hörte kaum jemand hin -, werde mit Einsamkeit bestraft. Er versinke gleichermaßen in der Lektüre und verliere so den Kontakt zu seinen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen. Gut sei ein Buch nur für eines: Man könne damit einen wackeligen Tisch stabilisieren.

Mit Computern ähnlich zu verfahren, schlägt Frank Schirrmacher allerdings nicht vor. Das soll jetzt aber keine Kritik sein. Denn Recht hatten auch die Kirchen, als sie wegen Rock´n´Roll und später wegen rückwärts gespielter Platten Alarm schlugen. Der Teufel lauerte - wie wir inzwischen alle wissen - bei jedem Auftritt der Stones hinter dem Schlagzeuger und in verschlüsselten Botschaften.

Da uns all dies mittlerweile bekannt ist, müssen wir auch Frank Schirrmacher loben, der uns wie seine Vorwarner immer wieder klar macht: Wirklich schön ist es nur gewesen, als wir noch in Höhlen lebten und dachten, die Erde sei das Zentrum der Welt. Galileo Galilei soll 1633 zwar gesagt haben „Und die Erde, sie bewegt sich doch“ - aber seit „Payback“ wissen wir: Das muss nicht so bleiben…