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Sonntag, 19. Juni 2011

Zickereien-Übersicht (II)

Ein Medienfressen
Die öffentliche Beziehung


Mit gevögelt
In Budapest und im Gerichtssaal

Neulich im Facebook
Meldet sich eine Verflossene

Keine Zeit für "gar nicht ignorieren"?
Müllmann bei Facebook

Kommentator spricht von
Unvermögen der Staatsanwaltschaft Hannover

Facebook
Mit Sackgassen

Unter dem Teppich Trampolin springen
Kann Frank Steffel

Freie Wahlen?
Der verschwiegene Kandidat in Wilhelmshaven

Betr. Günter Benning
Der Dichter und Denker

Methoden
In Bildergeschichten

Gewinn abholen
Bei Jensen-Weise-Feldhaus

Zölibat: katholisch
Sex gibt es auch ohne Trauschein

Wo ist die Million?
Ein Honorarprofessor klappert Sparkassen ab

Ein Honorarprofessor
Schlägt verbal um sich

Was ist denn das für eine Reha-Klinik?
Der vergessene Patient

Üble Scherze im Netz
Hilferuf ist ein Fake

Wüste Beschimpfungen
Im Facebook

Freitag, 27. Mai 2011

Neulich im Facebook

27. Mai 2011
Meldet sich bei einem Freund eine Verflossene

Bei einem Glas Bier kommen Männer ins Plaudern. Wie gestern in einer Kneipe. Ein Freund erzählt eine Geschichte aus dem Facebook. Die geht so:

Vor einigen Wochen pocht bei ihm jemand an die Freundschaftstür. Eine Frau. Mit der er vor langer Zeit zusammen gewesen ist. Obwohl sie ihn damals nur verarscht hat, willigt er in die Facebook-Freundschaft ein. Sogleich beschwert sie sich bei ihm, dass seine Antwort nur sehr kurz ausgefallen sei.

Also schreibt er eine längere. Sie versichert umgehend, dass sie sich geändert habe. Was er nicht glaubt. Deshalb antwortet er ihr, dass ihn nicht interessiere, ob sie sich geändert habe oder nicht. Schon schweift sie ab und schreibt, sie denke gerade daran, wo sie es getrieben haben. Er sei ein "guter Hengst" gewesen. Das kann ja erotisch werden, denkt er und erinnert sich ebenfalls. Er erinnert sie aber auch an die Schattenseiten ihrer Beziehung.

Dennoch versüßt sie ihm das Wochenende mit der Mitteilung, es kribbele bei ihr, sie sei glücklich über seine Mitteilungen und habe ihn lieb. Schon flattert im Facebook ein dicker Kuss auf seine weichen Lippen.

Der macht auch ihn glücklich. Dann stellt sie die Facebook-Dusche auf kalt. Teilt ihm drei Tage später mit, dass sie das alles irgendwie nicht so gemeint habe. Nun mache sie sich ununterbrochen Gedanken. Das hält er für ein Gerücht.

Wieder naht ein Wochenende. Sie schreibt ihm, dass sie sich nun in eine andere Wohnung verziehe. Dort habe sie kein Internet. Er wisse schon, warum. Er weiß: Sie trifft sich dort mit ihrem Freund. Und soll sich nun ausmalen, was sie dort tun?

Er schmeißt sie aus dem Facebook. Blockt sie. Ein paar Tage später ist sie aus dem Facebook wieder verschwunden.

Wir bestellen das nächste Bier. Er sagt: "Falls ihr mir das nicht glaubt. Ihre Mitteilungen sind bei Facebook ja nicht verschwunden, nur weil sie verschwunden ist."

Ist uns klar. Nur eins ist uns nicht klar geworden. Das: Was hat diese Frau gewollt?

Freitag, 6. Mai 2011

Müllmann

6. Mai 2011
Facebook: Keine Zeit für "gar nicht ignorieren"?

Ein Menschenkind hat einen Fehler gemacht. Bittet um Gnade. Möchte die Facebook-Seiten zuschlagen. Keine Nachrichten mehr bekommen, in denen es beschimpft wird. Schimpfen die nächsten.

Und schon schwebt wieder ein Bildchen ins Facebook. Das Hakenkreuz darf nicht fehlen. Alle Deutschen sind Nazis. Alles viel schlimmer als bei Hitler. Besonders: Jugendämter.

Das erste Menschenkind protestiert. Andere wollen diesen Facebook-Müll nicht mehr. "Es reicht!" schreibt eine Frau mit Doktortitel.

Und schon schwebt wieder ein Bildchen ins Facebook. Dieses Mal ohne Hakenkreuz. Sind doch nicht alle Deutschen Nazis? Jugendämter auf dem Wege der Besserung?

Ein Menschenkind meldet diese Seiten bei Facebook. Verkündet das sogleich im Internet. Damit der Facebook-Müllmann immer bestens informiert ist.

Folgt die Ankündigung: "Ich mache weiter. Ihr habt doch keine Ahnung von Facebook." Und sonnt sich in seiner zweifelhaften Berühmtheit.

Auf "gar nicht ignorieren" kommt niemand - aus der Wanduhr tropft die Zeit. Die sich vor einiger Zeit ein Junge nicht gelassen hat. Mit einem Freund saß er am Computer, las höhnische Zeilen über sich, lief aus dem Haus, immer geradeaus bis zu den Bahngleisen auf denen er von einem Zug erfasst worden ist...

Mittwoch, 27. April 2011

Facebook

27. April 2011
Mit Sackgassen

Auch die Ermutiger brauchen Ermutigung. Ist ein Satz von Wolf Biermann, der andererseits auch davor gewarnt hat, Missstände in dem einen Land mit noch größeren Missständen in einem anderen Land wuppen zu wollen. Als er diesen Wettbewerb von Linken aus der Bundesrepublik Deutschland mit Linken aus der DDR auf die Schippe nahm, gab es das Internet noch nicht, sonst hätte sich Wolf Biermann wahrscheinlich mit weiteren Sackgassen beschäftigt.

Mit Sackgassen bei Facebook beispielsweise. Hat man sich dort angemeldet, wird man zu Diskussionen eingeladen, die nichts bringen. Weil nicht einmal die Prämissen stimmen.

Prämisse 1: Jugendämter sind eine Erfindung der Nationalsozialisten, diese Behörden gibt es auch in der Bundesrepublik Deutschland. Also ist alles so schlimm wie bei Hitler. Oder sogar noch schlimmer.

Einmal abgesehen davon, dass sich jeder Vergleich der Bundesrepublik Deutschland mit Nazi-Deutschland angesichts der unfassbaren Verbrechen der Faschisten verbietet - die Jugendämter sind keinesfalls eine Erfindung der NSDAP. Vorläufer gab es bereits in der Weimarer Republik.

Bei Facebook kann man das 1 000 Mal wiederholen, es bringt nichts. Führt allenfalls zu Beschimpfungen.

Prämisse 2: Die Bundesrepublik Deutschland soll germanisiert werden. Ist also jemand mit Geburtsort im Ausland mit jemandem mit Geburtsort im Inland zusammen und geht aus dieser Partnerschaft ein Kind hervor, lauert das Jugendamt so lange an jeder Ecke, bis diese Partnerschaft nicht mehr funktioniert. Dann kommt das Kind zum deutschen Elternteil.

Als Paradebeispiel dafür angeführt wird gern der "Fall Colombo". Die Kinder leben beim Vater in München, dann kommt sie und entführt die gemeinsamen Söhne nach Italien, versteckt sie. Damit ist weder ein italienisches noch ein deutsches Gericht einverstanden. Weil auch Richter in Mailand Deutschland germanisieren wollen? Und prächtig mit Richtern aus München zusammenarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen? Da fehlt doch nur noch der Hinweis, dass Benito Mussolini und Adolf Hitler Verbündete gewesen sind.

Noch schlimmer ist: Einige gehen solchen Leuten auf den Leim, lassen sich vor die Kamera schleppen und erscheinen dann mit ihren Geschichten bei Youtube. Der Leim, auf den sie gegangen sind, heißt: Jugendämter müssen verboten werden. Dafür lassen sie sich instrumentalisieren - und schon spielen diese Leute auf einem anderen Instrument. Wichtig ist nur: Der Text muss sich auf "Die Jugendämter müssen verboten werden" reimen.

Bleibt die Frage: Und wer soll die Jugendämter ersetzen? Dass es Jugendamtsmitarbeiter gibt, die unter Fantasielosigkeit leiden, ist schlimm genug, dass Kritiker die gleiche Krankheit haben, könnte darauf hindeuten, dass diese Krankheit ansteckend ist.

Freitag, 21. Januar 2011

Polen-Kiefer

20. Januar 2011
Wüste Beschimpfungen im Merkel-Facebook

"Oh Chrisko, mach dein Polenkiefer zusammen." Dieser Satz steht nicht etwa auf den Seiten der NPD oder der DVU. Er steht...

Noch eine Kostprobe: "Laber doch kein müll, Lebenshilfe brauchen schon die Polen."

Satz 1 steht dort seit sechs Stunden, Satz 2 seit 10. Und wieder: Auch dieser Satz steht nicht auf den Seiten der NPD oder der DVU.

Kostprobe drei: "Geh kusch Dich mit deiner Hackfresse:)."

Angela Merkel als deutsche Bundeskanzlerin nutzt alle Kommunikationsmöglichkeiten. Im Netz kann man ihr sogar Fragen stellen. Die unbequemen beantwortet sie gar nicht erst. Angela Merkel ist auch im Facebook. Dort berichtet sie über die Abschlusspressekonferenz zur CDU-Klausurtagung. Am 16. Januar 2011 um 6.56 Uhr. Per Video.

66 165 Freunde hat die Bundeskanzlerin im  Facebook. Von einigen sollte sie sich schleunigst wieder verabschieden. Denn die drei Zitate findet man in den bislang 466 Kommentaren zur CDU-Klausurtagung.

Noch einer - dieser Kommentar steht seit 16 Stunden im Merkel-Facebook: "Oh halt doch die Fresse du Spako,ich verliere mein benehmen, bei Dir du klein W...Assi..."


Und seit 23 Stunden: "geh doch wenn dich keiner leiden kann
Drecks pole wat de bist, geh toiletten Putzen chrisko."

Frau Bundeskanzlerin, löschen Sie diese Kommentare - und weitere, in denen Menschen auf wüste Art und Weise beschimpft werden!

21. Januar 2011

Die hier zitierten Kommentare sind aus dem Facebook von Angela Merkel verschwunden. Danke!

Donnerstag, 25. November 2010

Ins Facebook geschaut

25. November 2010
Wenn ein europäischer Verein anruft...

Wenn das Telefon Anfang September 2010 mehrfach klingelt, dann erfährt man von einem Verein, der angeblich um die 3 000 Mitglieder hat, der Schulbusse von Ford kaufen will für den Transport von Kindern, der Zufluchtsorte schaffen will für Geschundene, der eine Werbeagentur gefunden hat, die eine Internetseite für diesen Verein einrichtet, der eine Expertenkommission bildet mit hochkarätigen Persönlichkeiten.

Wenn das Telefon Anfang September 2010 mehrfach klingelt, wird man von einem Vorstandsmitglied sogar noch gefragt, ob man die Pressearbeit für eine Radtour von Rüsselsheim nach Stuttgart übernehme, später werde man bestimmt Administrator der Internet-Seiten dieses Vereins.

Wenn also das Telefon Anfang September 2010 mehrfach geklingelt hat, dann sollte man keinesfalls Ende November 2010 die Facebook-Seiten dieses Vereins anklicken. Sonst würde man erfahren, dass dieser Verein inzwischen ein neues Logo hat und nur noch einen Verantwortlichen für die Facebook-Seiten. Freunde gibt es nicht mehr.

Die Pressearbeit für die Radtour ist gemacht, die Radtour längst Geschichte, zu der auch Rausschmisse von Vorstandsmitgliedern per Facebook-Mitteilung gehören, sogar gefakte Profile sollen dazu gehören und ein Streit in Stuttgart mit Ehemaligen, die angeblich den Namen des Vereins missbrauchen.

Allerdings sollte man sich Ende November 2010 nicht fragen, welcher Verein gemeint sein könnte. Denn das, was sich inzwischen bei Facebook tummelt, ist weder europäisch, obwohl der Vereinsname das vermuten lässt, noch erhellend. Denn über die Expertenkommission mit angeblich hochkarätigen Personlichkeiten erfährt man immer noch nichts, kann man wohl auch kaum etwas erfahren, denn im Gründungsprotokoll des Vereins stehen als Vorschläge auch Namen von Experten, die bei einer Mitwirkung sicherlich nicht damit einverständen wären, dass sie Windeier verteilen sollen, zu denen Stammtische in allen deutschen Städten gehören.

Dieser Verein sucht laut Facebook übrigens immer noch ein Büro. Wie soll das finanziert werden, wenn nicht einmal mehr alle Vorstandsmitglieder an Bord sind? Kein Büro wäre sicherlich auch besser, sonst taucht dort noch jemand auf, der nicht virtuell, sondern real rausgeworfen werden möchte...

Sonntag, 29. November 2009

Kristina Köhler "goldig"?

29. November 2009
Ausländerhetze: Neue Bundesfamilienministerin mischt mit

Weiblich, ledig, jung - und aus Hessen: Kristina Köhler ist Bundesfamilienministerin. Die Geschichte kennen wir bereits: Schon als 12-Jährige wollte sie Mitglied der Jungen Union (JU) werden, war aber erst mit 14 möglich, deshalb wartete sie zwei Jahre, bis sie zum ersten Mal bei einem JU-Treffen auftauchte. Nach Ende der Veranstaltung überraschte sie den heutigen CDU-Fraktionschef Bernd Lorenz mit der Bitte, die Namen aller Bundesminister aufsagen zu dürfen. Die habe sie auswendig gelernt. „Das findet Lorenz bis heute ´goldig´“, steht in der „Bild am Sonntag“. Die titelt am ersten Advent: „Die Generation Facebook kommt an die Macht - Hoppla, ich bin Ministerin“.


Klingt irgendwie gut. „Sie ist evangelisch, aufgeklärt konservativ und ledig. Kristina Köhler ist die CDU-Antwort auf Philipp Rösler - nur noch jünger“, heißt es auf den Internetseiten der „Zeit“. Auch das klingt nicht schlecht. Wenn da nur nicht diese „Panorama“-Sendung vom 25. Januar 2008 wäre.

Diese Geschichte sollten wir nicht vergessen: „Bild“ stürzt sich in den hessischen Wahlkampf, veröffentlicht am 28. Dezember 2007 ein Interview mit Roland Koch, der behauptet: „Wir haben zu viele kriminelle Ausländer“. Bis zum Wahltag widmet sich dieses Boulevardblatt dem Thema auf geradezu Ekel erregende Weise. Jede Warnung wird in den Wind geschlagen.

„Panorama“ heftet sich an die Fersen des CDU-Kandidaten, besucht Wahlkampfveranstaltungen, bei denen die Behauptung aufgestellt wird, „Scheiß-Deutscher“ sei immer häufiger das Motto bei Gewalt von Ausländern, „das Vaterland“ werde unterwandert, eine Koch-Sympathisantin plädiert für „Arbeitslager“.

Dann kommt Kristina Köhler zu Wort. Sie spricht von „deutschfeindlicher Gewalt“, die immer mehr zunehme. Als Kronzeugen ruft sie Professor Christian Pfeiffer auf. Der widerspricht energisch, spricht von „Missbrauch“ der Thesen seines Institutes. Auch ein Richter und ein Staatsanwalt gehen auf Distanz. Für die Behauptungen von Kristina Köhler gebe es keine Belege.

Die neue Bundesfamilienministerin gehört zur Internet-Generation, das Internet hat ein gutes Gedächtnis. Möglich, dass die 32-Jährige das bedauert, denn die Rolle, die sie im hessischen Wahlkampf gespielt hat, beweist: „Goldig“ ist sie nicht immer…

Der "Panorama"-Beitrag